Kronica von der loblichen Eydtgnoschaft [Hd 24X]
Am 24. Dezember 1507 erschien, gedruckt durch Michael Furter in Basel, die erste Chronik, welche die Gesamtgeschichte des Schweizervolkes enthält. Der Verfasser ist Peter Etterlin, sein Helfer und Korrektor Rudolf Husenegk.
Neben der ersten Abbildung der Stadt Luzern und einem Holzschnitt, der den Rütlischwur darstellt, findet sich in der Chronik zum ersten Mal die Tellsage, illustriert durch einen prächtigen Holzschnitt.
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Kronica von der loblichen Eydtgnoschaft Jr harkõmen vnd sust seltzam strittenn vnd geschichten, so lautet der Titel der ersten gedruckten Chronik, welche die Gesamtgeschichte des Schweizervolkes enthält. Gedruckt wurde sie in Basel von Michael Furter im Jahr 1507.
Ihr Verfasser ist Petermann Etterlin, dem Rudolf Husenegk assisitierte. Petermann Etterlin (ca. 1430/40-1509), Stadt- und Gerichtsschreiber, Fürsprech in seiner Heimatstadt Luzern, schrieb die Chronik in den Jahren 1505-07, wobei er "üss vil bewerten, wahrhafften hystorien, geschrifften und erfarnen lütten" schöpfte, so etwa aus den Chroniken des Melchior Russ, Schradin, Schedel, Königshofen, Lirer, Rolewinck u.a. Etterlin behandelt als erster Historiograph die gesamte Geschichte der Eidgenossenschaft von Meinrads Klostergründung in Einsiedeln (um 835) bis zum Gattenmord des Luzerner Söldners Hans Spiess (1503). Hier findet sich auch zum ersten Male die Tellsage. Für sein Unternehmen ausschlaggebend war wohl das nach dem Schwabenkrieg gesteigerte eidgenössische Selbstbewusstsein, die Abwehr der von den deutschen Humanisten wie Jakob Wimpfeling geführten literarischen Angriffe gegen die Schweizer als ein dem Reich abtrünniges, ungesittetes Volk. Unter den 29, von 12 verschiedenen Stöcken gedruckten Holzschnitten sind verschiedene Gruppen zu unterscheiden. Die eine umfasst vier Bilder, welche der von Furter 1496 gedruckten Meinradslegende entlehnt sind. Eine andere Gruppe von zwei Holzschnitten stammt, gemäß F. Hieronymus, aus den "Revelationes" des Methodius (Furter 1498 und später). Sie zeigen einen Kampf zwischen Kreuzrittern und Türken sowie die Belagerung einer Stadt durch einen christlichen Herrscher: möglicherweise Karl der Große vor Rom. Feiner stilisiert sind zwei mehrmals wiederholte Kriegsbilder der dritten Gruppe, die, wie Kostüme und Stil beweisen, sicher nach 1500 gezeichnet wurden.
Fünf Holzschnitte, die wir im Folgenden abbilden, sind sicherlich speziell für diese Veröffentlichung entstanden.
Description de l'Égypte [Hd10X]
Ein weiteres Prunkstück der Suso-Bibliothek sind 11 Bände der Description de l’ Egypte. Das Monumentalwerk präsentiert das gesamte Wissen über das alte Ägypten, die Naturgeschichte des Landes und das zeitgenössische Ägypten, das einige der besten französischen Wissenschaftler während Napoleons Expedition gesammelt hatten und begründete die Ägyptologie.
Die dreitausend wunderschönen Stahlstiche der Bildbände zeigen deutlich die Faszination der Forscher und zeichnen ein Bild des alten Ägypten, das auch den heutigen Betrachter in seinen Bann zu ziehen vermag.
Ein weiteres Prunkstück der Suso-Bibliothek sind 11 Bände der Description de l’ Egypte. Das Monumentalwerk präsentiert das gesamte Wissen über das alte Ägypten, die Naturgeschichte des Landes und das zeitgenössische Ägypten, das einige der besten französischen Wissenschaftler während Napoleons Expedition gesammelt hatten und begründete die Ägyptologie.
Die dreitausend wunderschönen Stahlstiche der Bildbände zeigen deutlich die Faszination der Forscher und zeichnen ein Bild des alten Ägypten, das auch den heutigen Betrachter in seinen Bann zu ziehen vermag.
Aus militärischer Sicht war Napoleons Expedition in Ägypten ein Reinfall. Zwar gelang es den Franzosen, innerhalb kürzester Zeit, das Land zu erobern und die technisch und taktisch unterlegenen Mameluken am 21. Juli 1798 in der „Schlacht an den Pyramiden“ vernichtend zu schlagen, das Ende der französischen Herrschaft wurde jedoch bereits am 1. August desselben Jahres durch die Vernichtung der französischen Flotte in der Bucht von Aboukir (Battle of the Nile) durch die Engländer unter Nelson eingeläutet. Napoleon verließ kurz darauf fluchtartig Ägypten und setzte als seinen Nachfolger den wenig später ermordete General Kléber ein, die letzten durch Krankheiten dezimierten französischen Truppen verließen 1801 das Land.
Weitaus größerer Erfolg war der Expedition dagegen in wissenschaftlicher Hinsicht beschieden. Dem Heer der Grenadiere folgte ein Heer von Wissenschaftlern, über 160 „Savants“, u.a. Ingenieure, Architekten, Zeichner, Typographen, Orientalisten, Astronomen und Naturforscher, darunter einige der namhaftesten französischen Gelehrten der Zeit wie Gaspard Monge, Dominique Vivant Denon und Dieudonnée Dolomieu.
Ihre Aufgabe bestand in der Inventarisierung und Beschreibung der Schätze Ägyptens, eines mythisierten aber tatsächlich weitgehend unbekannten Landes.
Das gesammelte Wissen über das alte wie das zeitgenössische Ägypten und die Naturgeschichte des Landes wurde dann in 3000 Stahlstichen und ergänzenden Texten festgehalten und von 1803 bis 1813 im Monumentalwerk der Description de l’Egypte veröffentlicht. Das unglaublich umfangreiche Bild des alten Ägypten, das die Wissenschaftler mitbrachten, löste eine Welle der Ägyptomanie aus und begründete einen neuen Zweig der Wissenschaften - die Ägyptologie.
Die Susobibliothek ist im Besitz der zweiten Auflage der Description de l' Égypte ou recueil des observations et des recherches qui ont été faites en Égypte pendant l' expédition de l'armée française (1821- 1829), nach ihrem Herausgeber auch als Panckoucke Edition bezeichnet. Die im Katalog verzeichneten Textbände sind allerdings verschollen, noch vorhanden sind die 10 Bildbände und das Kartenwerk. Die zweite Auflage wurde kostengünstiger produziert als die erste, die Bände sind, abgesehen vom Frontispiz, nicht koloriert und deutlich kleiner als die Mammutfolios der Erstausgabe, als klein würde man sie allerdings kaum bezeichnen, handelt es sich doch bei den gewaltigen Folianten im Format 70cm x 54 cm um die größten Bücher der Bibliothek. Wegen der geringen Auflage ist die Description äußerst selten, sie ist fast ausschließlich in sehr großen Sammlungen und Nationalbibliotheken zu finden und ist, nebenbei bemerkt, auch ein kleines Vermögen wert.
Eventuelle Scheu wegen der Kostbarkeit der Bände ist jedoch schnell vergessen, wenn man sie aufschlägt und unweigerlich zum begeisterten Blätterer in einem wunderschönen Bilderbuch wird. Alles ist hier festgehalten, vom Blick auf die Pyramiden von Gizeh mit dem noch im Wüstensand eingesunkenen Sphinx im Vordergrund bis hin zu den Fischen, die den Nil bevölkern. Faszinierend ist nicht nur der fast naive Sammeltrieb, der jeden Papyrusfetzen, jede Statue, alles, was kreucht und fleucht, festhielt, faszinierend ist auch die Präzision der Technik, mit der dies geschah. In Stahlstichen wird jedes Detail im wahrsten Sinne des Wortes gestochen scharf festgehalten, die Technik ist so perfekt, dass man viele der Abbildungen mit Fotografien verwechseln könnte, die zahlreichen Reliefs wirken verblüffend plastisch.
Der Aufbau des Werks folgt der tatsächlichen Route der Wissenschaftler von der Insel Philae bis zu den Pyramiden von Gizeh, vorbei an bedeutenden Fundstätten wie Edfu, Dendera, Karnak und Luxor.
Eingeleitet wird jedes Kapitel durch eine genaue topographische Karte des Landesteiles, gefolgt von Ansichten der Bauwerke aus allen Himmelsrichtungen. Häufig finden sich auf den Bildern auch malerisch drapierte Gestalten oder kleine Figürchen in Uniform, die Savants selbst, die meist anzeigen, ob es sich um Rekonstruktionen oder um zeitgenössische Darstellungen handelt, und die außerdem die Größenverhältnisse demonstrieren. Danach kommen dann Studien architektonischer Details und die Abbildungen der kleineren Kunstgegenstände.
Von allen Seiten genauestens abgezeichnet ist auch das wohl berühmteste Fundstück der Expedition, der Stein von Rosette, benannt nach seinem Fundort Raschid. Ihn wollten die Franzosen eigentlich mitnehmen, er wurde allerdings von den Engländern konfisziert und liegt heute im British Museum. Auf diesem Stein befindet sich eingehauen ein Dekret der Priester von Memphis zu Ehren von Ptolemaios V. Epiphanes (196v.Chr.), und zwar in Hieroglyphen, in demotischer und griechischer Schrift. Mithilfe dieser Texte und der daran geleisteten Vorarbeiten des Engländers Thomas Young gelang es dem Franzosen Jean François Champollion 1822, die geheimnisvolle Hieroglyphenschrift zu entschlüsseln. Die Description ist damit die letzte große Publikation über Ägypten vor Dechiffrierung der Hieroglyphen, die einerseits die enthaltenen Texte veralten ließ und die junge Wissenschaft der Ägyptologie revolutionierte, andererseits aber auch die Genauigkeit der Arbeit der Savants bezeugt, die die unverständlichen Zeichen getreu kopiert hatten.
Die Wiedergabe des Gesehenen ist allerdings nicht immer so exakt, ruinöses wird manchmal rekonstruiert ohne dass dies kenntlich gemacht würde und oft scheinen die Wissenschaftler auch Ergänzungen vorgenommen zu haben, um die in klassischen Architekturtraktaten propagierte Symmetrie zu erreichen. Die wissenschaftliche Bedeutung der Description ist umstritten, sie ist aber auf jeden Fall noch immer eine interessante historische Quelle, da einige der nur hier abgebildeten Monumente heute zerstört sind. Auch hat die DescriptionVorgänger in einer ganzen Reihe von Englischen, Französischen und Deutschen Reisebeschreibungen von Ägypten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, es handelt sich also nicht um ein völlig isoliertes Werk oder um die erste Beschreibung Ägyptens, wie mitunter behauptet- allerdings vermutlich um die schönste.
Eine ausgezeichnete digitalisierte Version der Description de l’Égypte als Vorgeschmack bietet die moderne Bibliothek von Alexandria unter http://descegy.bibalex.org.
Gaij Julij Cesaris des mechtigen ersten Römischen Keysers Historien von der Gallier und der Römer Burgerischer krieg [ Eb 7X]
1530 erschien die Übersetzung von Caesars "De bello gallico" und "De bello civili" in Mainz. Der Übersetzer, Mathias Ringmann (1482 - 1511), stellte dabei eine direkte Verbindung zwischen Caesar und dem Deutschen Kaiser Maximilian I. (1459 - 1519) her.
Der Band ist mit schönen Holzschnitten geschmückt, wobei die Beteiligten in den Kostümen des frühen 16. Jahrhunderts auftreten.
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Was haben wir uns nicht abgemüht an Gaius Julius Caesars Schrift über seinen Krieg, den er mit den Helvetiern und Galliern geführt hat. Dabei hat mancher auch einen Blick in die Übersetzung geworfen, die es auch in handlichem Kleinformat gegeben hat. Bei Klassenarbeiten war die Benutzung einer solchen Übersetzung natürlich verboten und ihr Gebrauch mit einem hohen Risiko verbunden! Ganz und gar ungeeignet für solche Zwecke ist der großformatige, prächtig illustrierte Band, der in unserer Bibliothek steht: Gaij Julij Cesaris des mechtigen ersten Römischen Keysers: Historien vom Gallier und der Römer Burgerischer krieg: so er selbst beschriben: und durch sondere grosse manheyt seiner ritterlichen tugent gefüret hat.
1507 wurde die Übersetzung von "De bello gallico" und "De bello civili" in Straßburg abgeschlossen und 1530 zusammen mit einer Lebensbeschreibung von Caesar durch Plutarch aus Chaironeia bei Johannes Schöffer in Mainz gedruckt.
Natürlich war diese Übersetzung nie als Schülerhilfe gedacht - heutige Schüler hätten schon mit dem Druckbild und der Sprache Schwierigkeiten - ihr Zweck war ein ganz anderer. Darauf geht der Übersetzer in seinem Vorwort ein. Doch wer ist überhaupt der Übersetzer? Auf dem Titelblatt wird kein Name genannt. In einem kleinen Gedicht, in dem der Autor Caesar den Inhalt seiner Schriften vorstellen lässt, heißt es: "Mein bücher zu Latein schrib ich / Philesius hat gedeutschet mich."
Hinter dem Pseudonym Philesius Vogesigena verbirgt sich Mathias Ringmann (1482 - 1511), Schulmann in Colmar und Straßburg und Humanist. Ringmann gehörte zu der Gruppe elsässischer Humanisten, unter denen Martin Waldseemüller - dessen Freund und Mitarbeiter Ringmann war - und Walter Lud waren. Mit Waldseemüller gab er die Kosmographie des Ptolemäus heraus.1 Enge Kontakte bestanden auch zu dem italienischen Humanisten Pico della Mirandola, der ihm bei der Suche nach dem Ptolemäusmanuskript behilflich war. Ringmann gilt als Mitbegründer der humanistischen Übersetzungsliteratur.
Mitten in der Arbeit an der Schrift des Ptolemäus beschäftigte sich Ringmann mit einem ganz anderen Thema, als Fingerübung und zur Erholung. Er brachte ein Kartenspiel heraus. Ein Kartenspiel, mit dessen Hilfe die lateinische Grammatik leichter für die Schüler lernbar sein sollte. 1509 erschien dazu die Spielanleitung, die Grammatica figurata . Man sieht, auch moderne pädagogische Ideen sind so neu nicht!
Was aber hat Ringmann dazu bewogen, die Schriften von Caesar zu übersetzen? Die Illustrationen geben einen ersten Hinweis auf seine Absichten. Auf der zweiten Seite des Bandes finden wir die folgende Abbildung.
Die dargestellte Person, hoch zu Pferde, mit wallendem Bart, auf dem Kopf die Krone der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den Feldherrnstab in der Rechten und auf der Schabrake des Pferdes den kaiserlichen Doppeladler, soll tatsächlich der römische Feldherr Gaius Julius Caesar sein.
An Porträtähnlichkeit war sicher nicht gedacht, gibt es doch in dem Band eine Abbildung von der Ermordung Caesars, die historisch genauer ist, während der reitende Feldherr schon eher an einen Ritter des frühen 16. Jahrhunderts erinnert. Dass wir damit auf der richtigen Spur sind, zeigt die "Auffopfferung", die Philesius dem Gallischen Krieg voranstellt. Er widmet seine Übersetzung "der Römischen K. Maiestat / dem aller durchleuchtigsten Fürsten und herrn Herrn Maximiliano", also dem Deutschen Kaiser Maximilian I. (1459 - 1519), bekannt unter dem Beinamen "Der letzte Ritter". Philesius begründet seine Widmung damit, dass der Adressat des Berichtes der Kriegstaten des ersten Römischen Kaisers der Deutsche Kaiser sein müsse, ihm gleich an Mut und Feldherrnkunst. Nun weiß Philesius, dass Maximilian sehr gut Latein konnte, eine Übersetzung für ihn also nicht notwendig war, dass aber die Fürsten, und "herrn der strenge ritterschafft / darzu kriegsregenten / burger / etc" diese Übersetzung zu "nutz und gefallen lesen sollten". Deren Lateinkenntnisse scheinen eher dürftig gewesen zu sein, so dass lateinische Klassiker erstmals in Übersetzungen erscheinen mussten. Nur so konnten sie aus der Geschichte lernen, die nach Philesius ein Spiegel und Lehrmeister für das eigene Verhalten und die eigenen Taten ist.
Philesius zieht eine Linie von Caesar, den er stets als ersten römischen Kaiser bezeichnet, bis zu Maximilian, bindet also das deutsche Kaisertum an die römische Kaiserzeit.
Konsequenterweise sind alle Illustrationen nun auf die Gegenwart des Übersetzers bezogen. Wir sehen also Landsknechte mit Piken, Ritter auf ihren Pferden, und bei Belagerungen werden Mörser und Kanonen eingesetzt, die hinter Verschanzungen aufgebaut sind.
Belagerung von Autuatucorum (III. Buch)
Wie wenig es um historische Genauigkeit geht, zeigt sich auch daran, dass dieselben Holzschnitte an verschiedenen Stellen auftauchen, dass sogar einzelne Teile von Holzschnitten neu komponiert werden, auch wenn dadurch Stücke abgeschnitten werden.
Aus dem Helvetierkrieg (I. Buch)
Jedes Buch wird mit einem ganzseitigen Holzschnitt eröffnet, der sich auf den Inhalt des entsprechenden Buches bezieht.
Titelblatt des III. Buches
Natürlich interessiert den Altphilologen, wie Philesius den berühmten ersten Satz des Gallischen Krieges übersetzt hat, speziell das "omnis", ob nun prädikativ oder attributiv. Bei Philesius heißt es ganz einfach: "Alles Gallier landt ist in drey teyl geteylt. "
Zitiert sei noch aus dem VI. Buch, in dem Caesar berichtet, wie die Germanen auf die Jagd gehen. Er beschreibt Tiere, die "Alces" (Elche) genannt werden. Sie legen sich zum Schlafen nicht hin, da sie nicht mehr aufstehen können. Um dieses Tier zu jagen, kundschaften die Germanen ihre Schlafplätze aus und "werffen sie alle beum an dem selbigen ort umb / oder hawen sie alleyn bei der wurzeln ab / also dass das öber teyl stehn bleibt / weñ sie sich dañ nach gewõheit do hin an leynen / so machen sie mit jrer schwere die unstarcken beum fallen / und fallen sie auch mit denen".
Überfahrt nach Britannien (V. Buch)
Belagerung von Avaricum (VII. Buch)
[1] Über die Hintergründe der Herausgabe und das Fehlen des Namens von Ringmann als Herausgeber vgl.: Fr. R. v. Wieser: Vorwort zu "Die Grammatica figurata des Mathias Ringmann", Straßburg 1905
Margarita Philosophica [Da 163- Da 166]
Die Margarita philosophica des Kartäusermönchs Gregor Reisch stellt einen der ersten Versuche dar, das gesamte verfügbare Wissen in einem gedruckten Buch zu vereinen. Die 1503 erstmals erschienene Enzyklopädie in lateinischer Sprache wurde für über ein Jahrhundert zum zentralen Lehrbuch an deutschen höheren Schulen und wurde in rascher Folge neu aufgelegt. Ihre Beliebtheit spiegelt sich auch im Bestand der Suso-Bibiothek wider, in der die Margarita in vier verschiedenen Auflagen vertreten ist, der Erstausgabe von 1503, Ausgaben von 1510 und 1515 und der letzten von Reisch selbst herausgegebenen von 1517.
Die Margarita philosophica des Kartäusermönchs Gregor Reisch stellt einen der ersten Versuche dar, das gesamte verfügbare Wissen in einem gedruckten Buch zu vereinen. Die 1503 erstmals erschienene Enzyklopädie in lateinischer Sprache wurde für über ein Jahrhundert zum zentralen Lehrbuch an deutschen höheren Schulen und wurde in rascher Folge neu aufgelegt. Ihre Beliebtheit spiegelt sich auch im Bestand der Suso-Bibiothek wider, in der die Margarita in vier verschiedenen Auflagen vertreten ist, der Erstausgabe von 1503, Ausgaben von 1510 und 1515 und der letzten von Reisch selbst herausgegebenen von 1517.
Gregor Reisch, um 1470 in Balingen geboren, erwarb 1489 an der Universität Freiburg i. Br. den Grad eines Magister Artium und trat nach kurzer Tätigkeit als Hochschullehrer 1496 in den Orden der Kartäuser ein, von 1502 bis zu seinem Tode 1525 war er Prior des Freiburger Kartäuserklosters am Johannisberg.
Reisch ist ein Vertreter der philosophischen Schule der spätscholastischen Realisten. Zu seinem wissenschaftlichen Umkreis gehörten u. a. Johann Geiler von Kaisersberg, Konrad Pellikan, Verfasser der ersten hebräischen Grammatik in Deutschland, der ihm diese zur Aufnahme in die Margarita zur Verfügung stellte, und Erasmus von Rotterdam. Zu seinen Schülern zählten der Luthergegner Johannes Eck und die bekannten Kosmographen Martin Waldseemüller (Hylacomylus) und Sebastian Münster.
Gregor Reisch war ein entschiedener Gegner der Lehren Luthers und ein enger Vertrauter Kaiser Maximilian I. Er genoss großen Einfluss, Erasmus bemerkte in einem Brief an Bovillus über ihn, dass sein Wort bei den Deutschen das Gewicht eines Orakels habe, er nennt ihn „venerandus ille Prior Cartusiensis apud Friburgum Gregorius Reischius, cuius sententia apud Germanos oraculi pondus habet.“[1]
Die Margarita Philosophica ist, abgesehen von seinen Statuten des Kartäuserordens, Reischs einziges Druckwerk. Der Buchtitel leitet sich von margarita, also wörtlich Perle ab, meint aber im damaligen Sprachgebrauch auch ein Handbuch, und da die Philosophie zu dieser Zeit als Inbegriff der Wissenschaften galt, lässt sich er sich frei als Handbuch oder Enzyklopädie der Wissenschaften übersetzen, bei späteren Auflagen wird das Wort Enzyklopädie explizit in den Titel aufgenommen.
Die Organisation des Wissens in den zwölf Büchern erfolgt vorwiegend nach dem seit der Spätantike gebräuchlichen System der sieben artes liberales oder freien Künste, also nach dem Kanon der an der philosophischen Fakultät der mittelalterlichen Universität zu absolvierenden Fächer, auf das Trivium mit den drei formal-sprachlichen Disziplinen Grammatik, Rhetorik und Dialektik folgte das Quadrivium mit den vier mathematischen Disziplinen Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik, bei Reisch werden außerdem Abhandlungen über Prinzipien und Entstehung der Naturdinge, Physiologie, Psychologie und Moralphilosophie ergänzt. Als „freie Künste“ werden diese sieben Fächer gerühmt, weil ihr Studium nicht dem Gelderwerb dient und somit eines freien Menschen würdig ist.
Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Schemata und Tafeln der Margarita, die beigefügten Karten und besonders die Abbildungen die den einzelnen Büchern vorangestellt sind und die den anschließend behandelten Wissensbereich und seine Grundbegriffe veranschaulichen und als Gedächtnisstütze dienen sollen.
Der abgebildete Holzschnitt zum ersten Buch in dem die lateinische Grammatik behandelt wird, der „Typus Grammatice“ , zeigt eine allegorische Frauengestalt, die einem Schüler eine Tafel mit dem Alphabet zeigt, während sie in der anderen Hand den Schlüssel zum Elfenbeinturm der Wissenschaften hält, Sprach- und Schriftkenntnis sind die Grundvoraussetzung für das Studium jeder Art von Wissenschaft. Weiterhin zeigt der Turm die Abfolge und Hierarchie der zu den artes liberales zusammengefassten Wissen-schaften, in den Fenstern des Turmes sind die maßgeblichen Autoren abgebildet die als Gewährsmänner der jeweiligen Disziplin gelten und auf die sich Reisch im Text bezieht.
In den beiden untersten Stockwerken wird die lateinische Grammatik nach Donat und Priscian gelehrt, im nächsten Stockwerk folgt die Logik nach Aristoteles Rhetorik und Poesie nach Cicero und Arithmetik nach Boethius, im Stockwerk darüber dann Musik, für die Pythagoras steht, Geometrie nach Euklid und Astronomie nach Ptolemaios. Die zusätzlich beigefügten Disziplinen der Physik und der Moralphilosophie, für die Seneca steht, sind auf seitlichen Bannern zu sehen, an der Spitze des Turmes aber steht der Kirchenlehrer Petrus Lombardus, der die Theologie vertritt. Reischs Darstellung folgt damit der Tradition des kirchlichen Schulwesens, die den klassischen freien Künsten eine theologische Wendung gibt, Ziel des progressiven Wissenserwerbs ist die Erkenntnis Gottes.
Typus universalis terre
Neben einer Faltkarte der alten Welt mit den zwölf Winden, die in allen Ausgaben der Margarita enthalten ist, findet sich in den Grüninger-Ausgaben ab 1515 eine zweite Faltkarte, die nur lose eingelegt war und daher in den seltensten Fällen erhalten ist, in einem Exemplar der Suso-Bibliothek ist sie jedoch noch vorhanden. Die Karte mit dem Titel Typus universalis terre(sic) iuxta modernorum distinctionem et extensionem per regna et provincias stammt wohl von Waldseemüller, da sie dessen Karte in der 1513 erschienenen erweiterten Ausgabe des Atlas-Werkes des Ptolemäus gleicht. Es handelt sich um eine der ältesten Karten in denen Amerika als eigenständiger, zusammenhängender Doppelkontinent eingezeichnet ist. Der Kontinent erstreckt sich zwischen dem 75. nördlichen und dem 55. südlichen Breitengrad, die Ausdehnung nach Westen bleibt völlig offen, die Karte wird hier vom Rand überschnitten. Der gewaltige südliche Teil wird als Paria seu Prisilia bezeichnet, der kleinere nördliche erhält den Namen Zoana mela “Johanna Apfel“. Diese Bezeichnung war lange umrätselt, inzwischen ist klar, dass es sich um einen Lesefehler handelt, in einer Handschrift in Ferrara fand sich in entsprechendem Zusammenhang der Satzanfang Ma la Zoanna… „Aber die Johanna…“(gemeint ist die Insel Cuba, die Columbus zu Ehren des Infanten Don Juan „Juana“ taufte), daraus wurde Mela Zoanna und schließlich Zoana Mela.
[1] Brief vom August 1516, zitiert in Lutz Geldsetzers Einleitung zu Neuauflage von Reisch, Gregor. Margarita Philosophica. Düsseldorf: Stern-Verl., 1973.