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MargaritaDie Margarita philosophica des Kartäusermönchs Gregor Reisch stellt einen der ersten Versuche dar, das gesamte verfügbare Wissen in einem gedruckten Buch zu vereinen. Die 1503 erstmals erschienene Enzyklopädie in lateinischer Sprache wurde für über ein Jahrhundert zum zentralen Lehrbuch an deutschen höheren Schulen und wurde in rascher Folge neu aufgelegt. Ihre Beliebtheit spiegelt sich auch im Bestand der Suso-Bibiothek wider, in der die Margarita in vier verschiedenen Auflagen vertreten ist, der Erstausgabe von 1503, Ausgaben von 1510 und 1515 und der letzten von Reisch selbst herausgegebenen von 1517.

Margarita_PhilosophicaDie Margarita philosophica des Kartäusermönchs Gregor Reisch stellt einen der ersten Versuche dar, das gesamte verfügbare Wissen in einem gedruckten Buch zu vereinen. Die 1503 erstmals erschienene Enzyklopädie in lateinischer Sprache wurde für über ein Jahrhundert zum zentralen Lehrbuch an deutschen höheren Schulen und wurde in rascher Folge neu aufgelegt. Ihre Beliebtheit spiegelt sich auch im Bestand der Suso-Bibiothek wider, in der die Margarita in vier verschiedenen Auflagen vertreten ist, der Erstausgabe von 1503, Ausgaben von 1510 und 1515 und der letzten von Reisch selbst herausgegebenen von 1517.

Gregor Reisch, um 1470 in Balingen geboren, erwarb 1489 an der Universität Freiburg i. Br. den Grad eines Magister Artium und trat nach kurzer Tätigkeit als Hochschullehrer 1496 in den Orden der Kartäuser ein, von 1502 bis zu seinem Tode 1525 war er Prior des Freiburger Kartäuserklosters am Johannisberg.

Reisch ist ein Vertreter der philosophischen Schule der spätscholastischen Realisten. Zu seinem wissenschaftlichen Umkreis gehörten u. a. Johann Geiler von Kaisersberg, Konrad Pellikan, Verfasser der ersten hebräischen Grammatik in Deutschland, der ihm diese zur Aufnahme in die Margarita zur Verfügung stellte, und Erasmus von Rotterdam. Zu seinen Schülern zählten der Luthergegner Johannes Eck und die bekannten Kosmographen Martin Waldseemüller (Hylacomylus) und Sebastian Münster.

Gregor Reisch war ein entschiedener Gegner der Lehren Luthers und ein enger Vertrauter Kaiser Maximilian I. Er genoss großen Einfluss, Erasmus bemerkte in einem Brief an Bovillus über ihn, dass sein Wort bei den Deutschen das Gewicht eines Orakels habe, er nennt ihn „venerandus ille Prior Cartusiensis apud Friburgum Gregorius Reischius, cuius sententia apud Germanos oraculi pondus habet.“[1]

Die Margarita Philosophica ist, abgesehen von seinen Statuten des Kartäuserordens, Reischs einziges Druckwerk. Der Buchtitel leitet sich von margarita, also wörtlich Perle ab, meint aber im damaligen Sprachgebrauch auch ein Handbuch, und da die Philosophie zu dieser Zeit als Inbegriff der Wissenschaften galt, lässt sich er sich frei als Handbuch oder Enzyklopädie der Wissenschaften übersetzen, bei späteren Auflagen wird das Wort Enzyklopädie explizit in den Titel aufgenommen.

Die Organisation des Wissens in den zwölf Büchern erfolgt vorwiegend nach dem seit der Spätantike gebräuchlichen System der sieben artes liberales oder freien Künste, also nach dem Kanon der an der philosophischen Fakultät der mittelalterlichen Universität zu absolvierenden Fächer, auf das Trivium mit den drei formal-sprachlichen Disziplinen Grammatik, Rhetorik und Dialektik folgte das Quadrivium mit den vier mathematischen Disziplinen Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik, bei Reisch werden außerdem Abhandlungen über Prinzipien und Entstehung der Naturdinge, Physiologie, Psychologie und Moralphilosophie ergänzt. Als „freie Künste“ werden diese sieben Fächer gerühmt, weil ihr Studium nicht dem Gelderwerb dient und somit eines freien Menschen würdig ist.

Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Schemata und Tafeln der Margarita, die beigefügten Karten und besonders die Abbildungen die den einzelnen Büchern vorangestellt sind und die den anschließend behandelten Wissensbereich und seine Grundbegriffe veranschaulichen und als Gedächtnisstütze dienen sollen.

Typus_GrammaticDer abgebildete Holzschnitt zum ersten Buch in dem die lateinische Grammatik behandelt wird, der „Typus Grammatice“ , zeigt eine allegorische Frauengestalt, die einem Schüler eine Tafel mit dem Alphabet zeigt, während sie in der anderen Hand den Schlüssel zum Elfenbeinturm der Wissenschaften hält, Sprach- und Schriftkenntnis sind die Grundvoraussetzung für das Studium jeder Art von Wissenschaft. Weiterhin zeigt der Turm die Abfolge und Hierarchie der zu den artes liberales zusammengefassten Wissen-schaften, in den Fenstern des Turmes sind die maßgeblichen Autoren abgebildet die als Gewährsmänner der jeweiligen Disziplin gelten und auf die sich Reisch im Text bezieht.

In den beiden untersten Stockwerken wird die lateinische Grammatik nach Donat und Priscian gelehrt, im nächsten Stockwerk folgt die Logik nach Aristoteles Rhetorik und Poesie nach Cicero und Arithmetik nach Boethius, im Stockwerk darüber dann Musik, für die Pythagoras steht, Geometrie nach Euklid und Astronomie nach Ptolemaios. Die zusätzlich beigefügten Disziplinen der Physik und der Moralphilosophie, für die Seneca steht, sind auf seitlichen Bannern zu sehen, an der Spitze des Turmes aber steht der Kirchenlehrer Petrus Lombardus, der die Theologie vertritt. Reischs Darstellung folgt damit der Tradition des kirchlichen Schulwesens, die den klassischen freien Künsten eine theologische Wendung gibt, Ziel des progressiven Wissenserwerbs ist die Erkenntnis Gottes.

Typus universalis terre

Typus_Universalis_Terre

Neben einer Faltkarte der alten Welt mit den zwölf Winden, die in allen Ausgaben der Margarita enthalten ist, findet sich in den Grüninger-Ausgaben ab 1515 eine zweite Faltkarte, die nur lose eingelegt war und daher in den seltensten Fällen erhalten ist, in einem Exemplar der Suso-Bibliothek ist sie jedoch noch vorhanden. Die Karte mit dem Titel Typus universalis terre(sic) iuxta modernorum distinctionem et extensionem per regna et provincias stammt wohl von Waldseemüller, da sie dessen Karte in der 1513 erschienenen erweiterten Ausgabe des Atlas-Werkes des Ptolemäus gleicht. Es handelt sich um eine der ältesten Karten in denen Amerika als eigenständiger, zusammenhängender Doppelkontinent eingezeichnet ist. Der Kontinent erstreckt sich zwischen dem 75. nördlichen und dem 55. südlichen Breitengrad, die Ausdehnung nach Westen bleibt völlig offen, die Karte wird hier vom Rand überschnitten. Der gewaltige südliche Teil wird als Paria seu Prisilia bezeichnet, der kleinere nördliche erhält den Namen Zoana mela “Johanna Apfel“. Diese Bezeichnung war lange umrätselt, inzwischen ist klar, dass es sich um einen Lesefehler handelt, in einer Handschrift in Ferrara fand sich in entsprechendem Zusammenhang der Satzanfang Ma la Zoanna… „Aber die Johanna…“(gemeint ist die Insel Cuba, die Columbus zu Ehren des Infanten Don Juan „Juana“ taufte), daraus wurde Mela Zoanna und schließlich Zoana Mela.

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[1] Brief vom August 1516, zitiert in Lutz Geldsetzers Einleitung zu Neuauflage von Reisch, Gregor. Margarita Philosophica. Düsseldorf: Stern-Verl., 1973.